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Interviews

Alfred Jaklitsch im Gespräch: „Seerisch is meins, do bin I dahoam!“

20.12.2015 · Redaktion Volksmusiknews
Die Seer - österreichische Volksmusikgruppe, Alfred Jaklitsch
Die Seer - Foto: simone_attisani_photography

20 Jahre Die Seer: Alfred Jaklitsch spricht über die Jubiläumstour, die Anfänge der Band, besondere Konzertmomente, Rückschläge und die Zukunft der Seer.

Die Seer – das bedeutet zwei Jahrzehnte Musikgeschichte, zahlreiche Alben, Platin-Auszeichnungen, unzählige Konzerte und eine ganz besondere Verbindung zum Publikum.

Anlässlich des großen Jubiläums haben wir mit Alfred Jaklitsch, Gründer, Songwriter und musikalischem Kopf der Seer, über die Jubiläumstour, die Anfänge der Band, persönliche Höhepunkte und die Zukunft der Seer gesprochen.


20 Jahre Die Seer – was dürfen die Fans bei der Jubiläumstour erwarten?

Alfred Jaklitsch:
Wir blicken musikalisch auf die „ersten“ 20 Jahre zurück. Spannend ist auch für uns, einige Lieder der ersten Stunde neu zu interpretieren und natürlich Geschichten rund um den Werdegang der Seer zu erzählen. Das Publikum soll auf eine Reise mitgenommen werden, um dieses Jubiläum würdig und dankbar zu begehen.

So nehmen wir zum Beispiel die Bühne und alle Extras vom Heim-Open-Air mit auf Tour – im Rahmen einer „20 Jahre – 20 Seer Open Air Tournee“.

Ein besonderes Schmankerl ist, dass wir uns ab und zu musikalische Gäste einladen. Diese Duette werden im Laufe des Jahres auch auf Tonträger verewigt werden.

Es wird eine aufwendige Show, aber, wie ich hoffe, auch eine sehr emotionale und berührende.

Die Seer können auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurückblicken. Gibt es einen Moment aus den vergangenen 20 Jahren, an den du dich besonders gerne erinnerst?

Die Gründerzeit bleibt natürlich in Erinnerung – die ersten Auftritte, bei denen wir zwischen geduldet und belächelt unsere ersten Sporen verdient haben.

Immer war es auch das Publikum, das uns bewogen hat weiterzumachen. Da jeder von uns in diversen Genres schon musiziert hatte, war uns bewusst, dass wir eine sehr spezielle Art von Musik gefunden hatten, die unsere regionalen Wurzeln betont, aber auch Freiraum für viel Cross-Over lässt.

Für mich persönlich muss es nicht die große Arena sein. Ich mag es mindestens genauso gern, wenn ich die unmittelbare Reaktion eines Publikums, das uns Aug in Aug gegenübersitzt oder -steht, mitkriege.

Wenn sich bei „Sche wars, wennsd do warsd“ Menschen in die Arme nehmen, beim „Do geht no wos“ die Leute einfach nur guat drauf sind – auch wenn’s hie und da ein Tränlein gibt –, bin ich als Musiker und Mensch einfach „angekommen“.

Im Konzert gemeinsame Energie aufzubauen und Lieder zu schaffen, die Teil des Lebens werden, ist das Größte, was man als Musiker erleben kann.

Gab es in den vergangenen 20 Jahren auch Rückschläge, die dich am Projekt Seer zweifeln ließen?

Rückschläge braucht es, um sich immer wieder bewusst zu machen, was man will und wie sehr man es will.

Immer ist es auch die Kommunikation mit dem Publikum: Wo sind die Berührungspunkte? Was ist die Erwartungshaltung? Und was wollen wir vertreten? Das ist bis heute eine bleibende Herausforderung.

Da ich in der Vergangenheit vieles stilistisch ausprobiert hatte, war mir bei allen Zweifeln und Widerständen immer klar:

„Seerisch“ is meins, do bin I dahoam!

Die Seer feiern große Erfolge. Wie geht man mit diesem Erfolg um? Ist ein Alfred Jaklitsch noch nervös, wenn er vor 10.000 Menschen auftritt?

Grundsätzlich bin ich sehr froh, dass es das Leben so gut mit meinem Musikertraum meint. Seit meinem Abschied aus dem Lehrerberuf erlaubt mir dieser Traum – mit allen Höhen und Tiefen –, von der Musik zu leben.

Gerade weil es Zeiten gab, in denen nicht klar war, wie man über die Runden kommen wird, erlebt man vieles jetzt bewusster und dankbarer.

Nervös im Sinne von Lampenfieber vielleicht weniger. Aber dem Publikum einen besonderen Abend bieten zu wollen, ist immer noch Berufung und schönste Aufgabe.

Wer einmal ein Seer-Konzert besucht hat, weiß, wie hochwertig eure Shows sind. Wie wichtig ist dir der Zusammenhalt innerhalb der Band?

Der Zusammenhalt der Musiker ist ein Lebenselixier für jede Band, denke ich, weil das Publikum intuitiv merkt, wo Rollen gespielt werden und wo Spaß an der Freud am Werk ist.

Über 20 Jahre gelingt es uns, mit Respekt und Aufeinander-Zugehen die Freundschaften in der Gruppe lebendig zu erhalten. Schließlich möchte man auch gemeinsam auf der Bühne eine gute Zeit haben.

Wie entstehen eure Shows und wer übernimmt welche Aufgaben?

Die Arbeitsteilung ist seit vielen Jahren unverändert. Ich schreibe und texte, lade die Seer ins Studio ein, wo jeder der Produktion seinen Stempel aufdrückt, bevor Sassy und Astrid mit ihren unverwechselbaren Stimmen und auch mit dem Zusammenklang der Stimmen das liefern, was das Publikum als typisch „seerisch“ empfindet.

Im Ganzen macht es das gesamte Team. Dazu gehören die Technik- und Lichtcrew genauso wie unser Management Sonja und Gust Viertbauer, mit denen uns schon eine mehr freundschaftliche als geschäftliche Beziehung verbindet.

Was hast du mit den Seern in Zukunft vor? Wo geht die Reise hin?

Es bleibt spannend für mich als Songwriter, mich regelmäßig ein bisschen neu zu erfinden, thematisch und stilistisch Neues hinzuzufügen und auf und hinter der Bühne das „Seerische“ am Leben zu erhalten.

Es ist sicherlich eine Mission, ähnlich einer langen Zweierbeziehung.

Wir werden uns Mühe geben. Wir wissen, was wir an den Seern haben, und wenn das Publikum uns treu bleibt, ist da genug Motivation und Energie, die Band weiter auf die Reise zu schicken.

Schließlich gibt es noch weiße Flecken auf der „Seer-Landkarte“ und viele treue Seelen, mit denen man gemeinsame Konzertabende weiterhin verbringen möchte.


Zum Abschluss: Deine Grußworte an die Leser von Volksmusiknews

Alfred Jaklitsch:

Liebe Leserinnen und Leser der Volksmusiknews!

Jedes Land findet seine Identität auch in seiner Musik. Umso entscheidender ist es, das Besondere an der österreichischen Musik zu betonen und zu fördern.

Volksmusiknews ist eine hervorragende Plattform, die dies tut, und Ihr, die Ihr österreichische Musik mögt, tragt wesentlich dazu bei.

Musik ist Herzensprache, Mundart ist Volkskultur. In diesem Sinn ein großes Dankeschön an Euch!


Archiv-Interview 2015 für Volksmusiknews.at

Mehr über die Seer findet ihr auf der Webseite: https://www.dieseer.at

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